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Virtuelle Maschinen und Container verschmelzen

Virtuelle Maschinen und Container konkurrieren nicht miteinander. In bestimmten Anwendungsszenarien ergänzen sich beide Technologien, argumentiert Marc Kleff, Director Solutions Engineering bei NetApp, einem Spezialisten für Cloud Data Services.

Geht es um das Verschieben von Workloads in die Cloud, setzten jeweils 28 Prozent der Unternehmen auf Technologien zur Virtualisierung oder Migrations-Tools. Das hat IDC in seiner Cloud-Studie 2020 für die DACH-Region ermittelt. Die Cloud-nativen Container (23 Prozent) sowie ergänzende Orchestrierungswerkzeuge (22 Prozent) folgen dahinter, um den Schritt in die Cloud zu vollziehen. Allerdings dürften Container künftig schnell an Akzeptanz gewinnen. Laut Studie entwickeln sechs Prozent der befragten Unternehmen gezielt Container-kompatible Anwendungen. 13 Prozent der Studienteilnehmer nutzen Container in der Softwareentwicklung, um automatisiert und überwacht Apps bereitzustellen. Ein weiteres Drittel verwendet die Technologie ergänzend in bereits virtualisierter Infrastruktur auf bestehenden Hypervisoren. Dort, wo der Hypervisor dann seine Funktion für virtuelle Maschinen nicht mehr erfüllt, rechnet IDC mit dem Wechsel auf eine Container-native Umgebung.

Die Containerisierung steht keinesfalls in Konkurrenz mit der Virtualisierung. Vielmehr beobachtet NetApp, dass die beiden Welten ein Stück weit verschmelzen: Zum einen versuchen Unternehmen, Container in die Virtualisierung von Servern einzubinden. Zum anderen lassen sich mit Kubernetes, dem Standard-Tool für das Orchestrieren von Container-Umgebungen, auch Virtual Machines steuern.

Virtualisierung macht unabhängig von der Hardware

Auch in Container-Umgebungen funktioniert das Prinzip der virtuellen Maschine, nach dem eine Software von der Hardware abstrahiert wird, über ein eigenes Betriebssystem verfügt und die eigene Anwendung mit Ressourcen versorgt. Die Virtualisierung macht Systemarchitekten unabhängig von der Hardware und gibt ihnen die Flexibilität, Hardware effizienter auszureizen. Ohne das Wissen, ob ein Workload mehr Rechenleistung oder mehr Hauptspeicher benötigt, lassen sich kaum die passenden Hardware-Kapazitäten bereitstellen. Virtual Machines bieten die Flexibilität, verschiedene Kubernetes-Cluster auf derselben Hardware zu betreiben und ihnen Hardware-unabhängig die benötigten Ressourcen zuzuteilen.

Neue Anwendungsarchitekturen benötigen keine ganze Maschine, sondern mehrere Container. Diese wiederum bilden Software-technisch eine Laufzeitumgebung für eine App. Das ist ideal für Softwareentwickler, weil sie so ihre Anwendung in Microservices zerlegen und mit ihnen schrittweise sowie schneller den Quellcode für eine Anwendung kompilieren können. Im weiteren Vergleich zur Servervirtualisierung befreien uns Container von Abhängigkeiten wie etwa Betriebssystem, Framework oder Java-Version.

Container ergänzen die Virtualisierung

Virtualisierung und Container lösen unterschiedliche Probleme. Aber beide Technologien ergänzen sich auch und kommen zusammen oder nacheinander zum Einsatz. Eine gängige Kombination ist es, auf einem Bare-Metal-Server mehrere Virtual Machines zu betreiben, während in einer von diesen ein Container läuft. In der Praxis verbreitet ist zudem die Variante, eine Testumgebung auf Containerbasis aufzubauen. Geht die App in den Produktivbetrieb, wird sie über eine Virtual Machine bereitgestellt, weil diese isoliert und sicher ist.

IT-Teams sollten den Container-Schritt vorbereiten

Bei Cloud-nativer Entwicklung sind Container zum Standard geworden. In der klassischen Unternehmens-IT kommen sie erst langsam an. Die IT-Abteilungen sollten sich darauf vorbereiten, in den nächsten Jahren den Schritt zu Container-Umgebungen zu gehen. Zwei Gründe sprechen dafür: Langfristig ist damit zu rechnen, dass Container den Großteil der Anwendungen abdecken. Diese Technologie bringt viele Vorteile, aber auch Komplexität. Unternehmen stehen deshalb vor einer steilen Lernkurve, die Zeit beansprucht. So hat die Virtualisierung von Servern etwa acht bis zehn Jahren gedauert.

Als zweites Argument kommen Hybrid- und Multiclouds ins Spiel. Container ebnen den Weg dorthin. Mit Kubernetes als Orchestrierungslösung bilden Container eine gemeinsame Plattform, die sowohl On-Premises als auch in den Public Clouds der großen Hyperscaler verfügbar ist. An dieser Plattform können Unternehmen anknüpfen, um Applikationen unabhängig von ihrer Infrastruktur dorthin zu verlagern, wo sie benötigt werden. Das aufwändige Konvertieren der Anwendungen entfällt dabei.

In den nächsten Jahren geht es um Koexistenz

Laut IDC-Prognose sterben Virtual Machines nicht aus, und die Containerisierung setzt sich rasant fort. Für 2023 prognostiziert die oben erwähnte Studie, dass weltweit die Hälfte aller Unternehmensapplikationen in Container-basierten Hybrid- oder Multiclouds bereitgestellt werden, um die Agilität und das Management von Anwendungen zu verbessern. Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass zustandsorientierte Anwendungen, die Daten erheben, generieren, verarbeiten oder darauf zugreifen müssen, in der Container-Welt ankommen. Diese Technologie wird mit der Virtualisierung verschmelzen. Die spannende Frage ist, ob eher Container in den Bereich der Virtual Machines vordringen oder die Virtualisierung von Servern auf Container-Plattformen übergreift. Zu erwarten ist auf jeden Fall eine steigende Nachfrage nach flexiblen Betriebsoptionen für Container-Umgebungen. Diese verlangen nach flexibler Skalierung und Agilität über die Infrastrukturgrenzen hinweg, da sich datenintensive Anwendungen von Cloud zu Cloud bewegen und skalieren lassen müssen. jf


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