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Künstliche Intelligenz unterstützt Führungskräfte

Intelligente Systeme verändern die Arbeitswelt. Künstliche Intelligenz kann Manager von Routinetätigkeiten entlasten. Das Automatisieren von Führungsaufgaben wirft allerdings datenschutz- und arbeitsrechtliche sowie organisatorische Fragen auf.

Quelle: Gorodenkoff Productions OU | www.istockphoto.com

Systeme mit Künstlicher Intelligenz können Führungskräften wiederkehrende standardisierbare Aufgaben abnehmen und Prozesse automatisieren, zum Beispiel das Erstellen von Dienstplänen, Aufgabenzuteilung oder die Budgetkontrolle. Methoden des Maschinellen Lernens werten in kurzer Zeit große Mengen von Betriebsdaten oder Kennzahlen aus und unterstützen so bei Evaluation und strategischen Entscheidungen. Darüber hinaus können diese Systeme Führungskräfte auch bei ihren Fürsorgepflichten unterstützen, etwa indem sie vor Burnout-Belastungen warnen.

„Künstliche Intelligenz kann einen wichtigen Beitrag zu einer menschzentrierten kooperativen Führung leisten“, erläutert Dr. Rahild Neuburger, Expertin für Kommunikation und Führung an der LMU Munich School of Management und Mitglied der Plattform Lernende Systeme. „Indem die Assistenz- und Automatisierungssysteme von operationalen Aufgaben entlasten, schaffen sie Raum für gute Personalführung, Innovation und strategische Weitsicht. Führungskräfte können sich auf ihre menschlichen Stärken und die wesentlichen Aspekte einer modernen Führung konzentrieren: Kreative Problemlösung, Mitarbeitermotivation und -coaching sowie eine offene und wertschätzende Kommunikation mit den Beschäftigten.“

Die Plattform Lernende Systeme ist ein Netzwerk von Expertinnen und Experten zum Thema Künstliche Intelligenz. Sie bündelt Fachwissen und fördert den interdisziplinären Austausch und gesellschaftlichen Dialog. Die knapp 200 Mitglieder aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln in Arbeitsgruppen Positionen zu Chancen und Herausforderungen intelligenter Systeme und benennen Handlungsoptionen für ihre verantwortliche Gestaltung.

Die Weisungsbefugnis von IT-Systemen ist unklar

Gleichzeitig setzt der Einsatz intelligenter Systeme im Unternehmen Veränderungen in Gang und stellt die Mitarbeitenden vor weitreichende organisatorische und arbeitsrechtliche Herausforderungen. So ist es beispielsweise unklar, ob und auf welcher Grundlage Künstliche Intelligenz Weisungen erteilen kann. Diesen Wandel gemeinsam mit den Beschäftigten zu gestalten, wird zu einer zentralen Aufgabe der Führungskräfte.

Ein Risiko des Einsatzes intelligenter Systeme bestehe beispielsweise darin, aufgrund der verwerteten Kennzahlen und Statistiken den hinter den Daten stehenden Menschen aus dem Blick zu verlieren, warnen die Expertinnen und Experten der Plattform Lernende Systeme. „Künstliche Intelligenz kann Führungsaufgaben übernehmen, die zuvor alleinige Aufgabe des Menschen waren“, berichtet Prof. Sascha Stowasser, Direktor des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft und Mitglied der Plattform Lernende Systeme. „Die Systeme können Führungskräfte dabei unterstützen, individuelle Lehrpläne für die Weiterbildung der Beschäftigten zu erstellen.“ Dabei würden die IT-Systeme mit sensiblen, personenbezogenen Daten arbeiten müssen. Die Befürchtung, dass die Berechnungen eines Computerprogramms Einfluss auf die Personalpolitik, Weiterbildungsmöglichkeiten oder Karrierechancen nehmen können, könne für die Beschäftigten psychisch belastend und demotivierend sein. „Wichtig ist es deshalb, dass Führungskräfte ihren Fürsorgepflichten nachkommen, indem sie auf den Gesundheitsschutz achten, den Einsatz des jeweiligen IT-Systems transparent machen, die Empfehlungen kritisch hinterfragen und die Beschäftigten in die Gestaltung der neuen Prozesse einbinden“, erläutert Prof. Stowasser.

Auch zertifizierte Systeme brauchen Risikokontrolle

Sobald intelligente Systeme persönliche oder leistungsbezogene Daten der Beschäftigten verarbeiten, müsse der Schutz der Daten und Persönlichkeitsrechte der Menschen sichergestellt sein. Einerseits könnten die Lerndaten aus der Weiterbildung das berufliche Fortkommen der Mitarbeitenden fördern. Andererseits könnten die Führungskräfte die Daten auch missbräuchlich zur Leistungskontrolle und Überwachung nutzen. Die Expertinnen und Experten der Plattform Lernende Systeme raten dazu, Künstliche Intelligenz in der Führung entsprechend ihres Risikopotenzials zu zertifizieren und nur zertifizierte Systeme einzusetzen, um eine missbräuchliche Nutzung zu verhindern. Auf Basis welcher Daten diese Systeme Führungsaufgaben übernehmen, sollte in enger Abstimmung mit den Beschäftigten und ihren Interessenvertretungen festgelegt werden. Zudem sollten Führungskräfte auf den Umgang mit Künstlicher Intelligenz und mit sensiblen Daten vorbereitet werden.

Die Arbeitsgruppe Arbeit/Qualifikation und Mensch-Maschine-Interaktion der Plattform Lernende Systeme hat ein Whitepaper mit dem Titel „Führung im Wandel: Herausforderungen und Chancen durch Künstliche Intelligenz“ verfasst, das zum kostenfreien Download zur Verfügung steht. Jürgen Frisch

 

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