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Anticipatory Shipping macht Ware im Handel verfügbar

Mit vorausschauendem Versand (anticipatory shipping) nachgefragte Ware immer vorrätig haben und dennoch die Lager so klein wie möglich halten. Daran arbeiten Händler mit Spezialsoftware, die den Bedarf genau prognostiziert. Manuelle Feineinstellungen bilden Sonderfaktoren ab.

Anticipatory Shipping
©Chesky_W | istockphoto.com

Leere Regale im Handel ärgern nicht nur Kunden, sondern auch Händler. Denn lassen sich gewünschte Produkte nicht im Laden finden, entscheiden sich Kunden womöglich für ein anderes Geschäft. Gleichzeitig wollen Händler auch nicht zu viel Ware vorrätig haben – schließlich muss diese gelagert werden und frische Produkte sind nur eine begrenzte Zeit haltbar.

Retailer versuchen deshalb möglichst genau zu planen, was sie in den nächsten Tagen beziehungsweise Wochen benötigen, um die Bedürfnisse ihrer Kunden zu bedienen“, berichtet Philipp Ziegler, Senior Consultant bei retailsolutions. „Genaue Prognosen zu geben ist schwierig und viele Branchenteilnehmer wollen im Sinne der Nachhaltigkeit weniger Produkte wegwerfen. Deshalb setzen Händler auf intelligente Bedarfsprognosen mit spezialisierter Software.“

Optimierte Routen- und Mitarbeiterplanung

Bedarfsgerechte Bestellungen helfen dem Handel, die Lagerhaltung gering zu halten. Das bedeutet einerseits weniger Kosten, andererseits entsprechen sie auch dem Nachhaltigkeitsgedanken, da ein Zero-Waste-Ansatz Ressourcen einspart. Spezialisierte Software erstellt die dazugehörigen Planungen: „SAP Unified Demand Forecast ermöglicht präzise Prognosen mithilfe statistischer Methoden“, erläutert Ziegler. „Basierend auf historischen Daten lässt sich das zukünftige Käuferverhalten sehr genau vorhersagen.“ Ein guter Forecast hilft auch bei der Planung der täglichen Prozesse. So ließen sich zum Beispiel die Routen effizienter gestalten, so dass die Lkws nicht mehrfach vom Großlager zu den einzelnen Läden fahren. Auch die Mitarbeiterplanung werde an die Anlieferungen der Produkte angepasst.

Bedarfs-Einfluss-Faktoren brauchen manuelle Einstellungen

Um exakte Kundenbedarfe zu prognostizieren, fließen in die Berechnungen auch außergewöhnliche Einflussfaktoren auf den Abverkauf ein – etwa Feiertage wie Weihnachten und Ostern oder Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft 2024. „Mit SAP Unified Demand Forecast machen Händler gute Erfahrungen“, erklärt Ziegler. Manchmal kommen aber auch diese Bedarfsprognosen an ihre Grenzen. „Es gibt immer Sonderfälle und besondere Ereignisse, die dem System bekannt gemacht werden müssen. Dies geschieht durch die Pflege sogenannter Bedarfs-Einfluss-Faktoren.“

Ein solcher Sonderfall kann beispielsweise eine Einzelhandelsfiliale in einer Bahnhofspassage oder im Flughafen betreffen, die auch an Feiertagen geöffnet hat und mit höheren Abverkäufen rechnen muss, da die meisten anderen Läden an diesen Tagen geschlossen haben. Die Besonderheit des Standorts muss in das System eingepflegt werden. „Auch die derzeitige hohe Inflation und das insgesamt verringerte Konsumverhalten beeinflussen die Prognosen“, berichtet Ziegler. „Dass Kunden an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern nicht sparen und nicht auf teurere Waren wie Fleisch oder Schokolade verzichten wollen, gilt es dem System mitzuteilen.“ Das System berechne die Preiselastizität der einzelnen Produkte und würde typischerweise niedrige Prognosen ansetzen, da ein Preisanstieg meist zu einem geringeren Absatz führt. „Auf Basis der Prognosen lässt sich solch ein besonderes Konsumverhalten nicht kalkulieren“, erläutert Ziegler. „Nötig sind Feineinstellungen, die auf Erfahrungen basieren.“ Jürgen Frisch

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