„Die größte Herausforderung für mich als Frau in der IT war rückblickend, mich für das Informatikstudium zu entscheiden und mich zu trauen, nicht – wie damals viele aus meinem Abiturjahrgang – zum Beispiel in Richtung Lehramt oder BWL zu gehen. Ich habe mich nicht von der Tatsache abschrecken lassen, dass ich im Hörsaal zur Minderheit „Frau“ gehörte. 2001 gab es bei mir zu Beginn nicht mehr als zehn Frauen im Studiengang Informatik.
IT-Karriere für Frauen: Chancen nutzen und Hürden überwinden
Manchmal – aber selten – hatte ich seitdem das Gefühl, mich zunächst ein wenig beweisen zu müssen. Je offener ich war, umso schneller wurden vermeintliche Vorbehalte abgebaut – falls es überhaupt Vorbehalte gegen mich als Frau waren. Denn letztendlich zählt im Berufsleben Leistung, die auch ich von meinen Kolleg:innen erwarte. Und ja, es gab Sprüche von Männern, bei denen ich mir auf die Zunge beißen musste – aber aus meiner Sicht waren diese nie bösartig, eher flapsig und unreflektiert. Auf der anderen Seite habe ich immer von allen Seiten Unterstützung erfahren, wenn ich sie brauchte.
Der Fachkräftemangel macht es notwendig, inklusive Arbeitsumgebungen für alle zu schaffen, die sich engagieren wollen. Unternehmen sollten konkrete, vorausschauende Wege bieten, um Karriere und Familie besser vereinbar zu machen. Sie sollten nicht erst reagieren, wenn der Bedarf entsteht und eine Frau fragen muss, welche Möglichkeiten es für sie gibt.
Zudem ist es essenziell, weibliche Vorbilder sichtbar zu machen – nicht, weil sie Frauen sind, sondern weil sie durch ihre Kompetenz und Führung die Dynamik im Unternehmen bereichern. Keine Frau will zur Führungskraft werden, nur weil sie eine Frau ist. Aber ein reiner Führungsbereich aus Männern lässt Frauen zweifeln, im richtigen Unternehmen zu sein. Ich bin gegen eine Frauenquote, aber plädiere dafür, dass Unternehmen sich selbständig dem Thema widmen. Sie sollten die Gründe aktiv hinterfragen und sich nicht mit dem Status quo zufriedengeben.
Vielfalt in der IT: Jeder kann seinen Platz finden
Jungen Frauen, die eine Karriere in der IT anstreben, kann ich nur sagen: Talent kennt kein Geschlecht! Wenn euch IT interessiert und ihr Spaß daran habt, zu lernen und zu wachsen, seid ihr in diesem Fachbereich genau richtig. Nichts hilft beim Durchhalten mehr als intrinsische Motivation. Legt den Fokus auf euch, nicht auf vermeintliche Randbedingungen. Die IT ist so vielfältig, dass jede, die Begeisterung dafür mitbringt, ihren Platz finden kann – ob in Entwicklung, Prozessen, Qualitätssicherung oder Management. Es gibt unzählige Möglichkeiten. Wer eine IT-Karriere anstrebt, sollte sich von vermeintlichen Randbedingungen nicht abhalten lassen.“