Um zu einer Cloud-basierten ERP-Suite zu kommen (Enterprise-Resource-Planning), sollen Unternehmen laut SAP künftig einen Vertrag des Typs Rise with SAP oder Grow with SAP abschließen. Das Problem dabei räumt SAP selbst ein: Rise with SAP ist nicht zwingend „mehr Cloud“ als ein SAP-System, das bereits auf einer Cloud-Infrastruktur läuft. Nötig ist es daher laut DSAG, diese Initiativen zu einem einheitlichen Betriebsmodell für alle genutzten SAP-Services und -Dienstleistungen weiterzuentwickeln. Die hohe Integrierbarkeit in bestehende Betriebs- und Serviceprozesse ist dabei laut Westphal ein wichtiger Erfolgsfaktor: „Gerade mittelständische Unternehmen wollen ihre IT-Architektur übergreifend und einheitlich betreiben. Die DSAG begrüßt es daher, dass das 2024 aufgesetzte Programm Rise Migration & Modernization unter neuem Namen fortgesetzt werden soll.
Auch On-Premise-Systeme brauchen Innovationen
Die Anwendervertreter fordern, dass die SAP Lösungen wie SAP Joule für ABAP oder die Business Data Cloud für alle Kundengruppen zur Verfügung stellt. Diese Erwartung kollidiert allerdings mit der Entscheidung der Walldorfer, Innovationen rund um Künstliche Intelligenz ausschließlich an Unternehmen mit einem einschlägigen Cloud-Vertrag auszuliefern. „Wir wollen unseren Kunden die Embedded Szenarien rund um SAP Joule hochautomatisiert zur Verfügung stellen“, begründet SAP CTO-Philipp Herzig diese Strategie. „Das funktioniert in einem Cloud-Szenario am schnellsten.“ Im Rahmen von Eigenentwicklungen könnten Unternehmen einzelne Services aus der Business Technology Plattform auch mit einem On-Premise-System verbinden. Dabei müssen sie allerdings den Aufwand für Integration und Pflege selbst tragen. In einem Cloud-Szenario erledige das die SAP.
Die Business Technology Platform verzeichnet gerade eine wachsende Akzeptanz, wie der diesjährige Investitionsreport der DSAG beweist. Diese Plattform ist das technische Fundament der künftigen SAP Business Suite und soll zudem nicht nur SAP-Lösungen, sondern auch Komponenten von Drittanbietern integrieren. Die DSAG regt bei der SAP eine weitere Vereinheitlichung der Business Technology Platform an. Die Wunschliste umfasst ein einheitliches Berechtigungsmanagement für alle Services und ein systemübergreifendes Monitoring. Die Anwender erwarten laut Westphal konsistente Schnittstellen für alle Services: „Ziel ist die einheitliche Überwachung von Monitoring, Logging, Security und Transporten, idealerweise über die gesamte Business Suite hinweg. Wünschenswert ist zudem ein zentrales Certificate-Lifecycle-Management, um die Sicherheit aller Anwendungen zu gewährleisten und Systemausfälle zu verhindern.“
Auch ein transparentes Pricing-Modell für alle SAP-Services ist laut Westphal wichtig. „Je einfacher die Kalkulation eines kommerziellen Modells ist, umso leichter fällt es den Unternehmen, den Geschäftsnutzen zu kalkulieren. Eine Lösung, die neben der direkten Kalkulation und Buchung der Services auch das Monitoring der Kosten im laufenden Betrieb ermöglicht, dürfte die Akzeptanz durch die Anwenderunternehmen erhöhen.“
Die Business Data Cloud transformiert die IT-Architektur
Die gerade vorgestellte Business Data Cloud hat aus Sicht der DSAG das Zeug zum größten Strategiewechsel von SAP seit S/4HANA. Ziel ist es, die heute fragmentierten Datenstrukturen zu harmonisieren. Das ist eine enorme Herausforderung, wie Westphal erläutert: „SAP will nicht nur stärker als bisher die betriebliche Verantwortung für die Integration und Bereitstellung einheitlicher Datenmodelle übernehmen – vielmehr geht es bei der Business Data Cloud um nichts Geringeres als die Transformation von Bestandslandschaften in eine Cloud-zentrierte Architektur, und zwar sowohl für On-Premises-Anwender, als auch für Public-Cloud-Kunden.“ Die DSAG befürwortet diese Strategie, sofern die Business Data Cloud allen SAP-Kunden zur Verfügung steht. Auch für On-Premises-Systeme, unabhängig von kommerziellen Konstrukten wie Rise with SAP und Grow with SAP.
Insight-Apps: Standardisierte Datenprodukte für Analyse und Planung
Eine weitere Neuerung stellen die sogenannten Insight-Apps dar. Dabei handelt es sich um Datenprodukte, für die SAP das semantische Datenmodell pflegt und zudem Betrieb und Weiterentwicklung übernimmt. Unternehmen sollen diese Services out-of-the-box aktivieren können. Mögliche Anwendungsfälle seien Analysen und Planungen über alle Lines-of-Business – inklusive des Kerngeschäfts, Financials und Human Resources. „Wenn der SAP das gelingt, hat sie eine jahrzehntelange Herausforderung behoben, nämlich die portfolioübergreifende Integration aller SAP-Applikationen und -Daten“, erläutert Westphal. Bisher mussten Unternehmen diese Hürde selbst überwinden. Der Fokus der Insight Apps liegt zunächst auf S/4HANA Private Cloud im Rahmen von Rise with SAP. Die Integration von On-Premises-Systemen über Mapping- und Integrationslogiken ist laut SAP in Vorbereitung. „Insight-Apps für SAP-zentrierte Architekturen müssen einen echten Business-Nutzen liefern und kosteneffizient sein“, erläutert Westphal. „Die Hürden für ihren Einsatz sollten möglichst niedrig liegen.“