Der Datenschutz ist ein wichtiger Indikator für das Werteverständnis eines Landes oder eines Staatenbundes. Gleichzeitig ist er aber auch ein elementarer Faktor im weltweiten Ringen um wirtschaftliche, politische und militärische Macht. Die einflussreichsten Wirtschaftsregionen USA, China und EU haben dabei sehr unterschiedliche Vorstellungen über den Sinn, den Zweck und die Grenzen von Datenschutz. Dieser internationale Datenschutzvergleich offenbart tiefgreifende kulturelle und politische Unterschiede.
Der internationale Datenschutzvergleich: Vier Perspektiven auf ein globales Spannungsfeld
Die Zielvorstellungen, Zuständigkeiten und konkrete Ausgestaltung des Datenschutzes zeigen in der EU, in China und den USA sehr viele Facetten. Das ist schon an der Entstehungsgeschichte der entsprechenden Regularien abzulesen. In der EU sind sie das einheitliche, für alle verbindliche Verhandlungsergebnis der europäischen Staaten als Kompromiss (kooperativ). In den USA dagegen existiert ein Flickenteppich verschiedener Gesetze und Regularien (fragmentiert), während in China der Staat den Datenschutz regelt und kontrolliert, und dabei sowohl Gemeinwohl- als auch Eigeninteressen verfolgt (zentralistisch). Diese Differenzen spiegeln sich in den Datenschutzgesetzen und -regularien, in den Rechten Betroffener wie auch im Umgang mit Verstößen wider.
1. Die grundsätzlichen Wertvorstellungen
In der EU wird der Datenschutz als unveräußerliches Grundrecht, Teil der Menschenwürde und des Individualschutzes betrachtet. Die EU legt größten Wert auf den Schutz der Privatsphäre und die Autonomie des Einzelnen in einer Welt, in der Daten als Faktor und Wert (Macht, Kriminalität, Wirtschaft) immer wichtiger werden.
In den USA wird Datenschutz dagegen primär als Schutz der persönlichen Freiheiten verstanden, wobei individuelle Vereinbarungen eine größere Rolle spielen. Datenschutz wird dort nicht als Grundrecht betrachtet, sondern als Teil des Verbraucherschutzes.
In China liegt die Betonung nicht auf der Privatsphäre des Individuums oder seiner Freiheit, sondern auf dem Interesse des Staates. Er leitet seine Legitimität, persönliche Daten kontrollieren und nutzen zu dürfen, daraus ab, das gesellschaftliche Wohl zu fördern, die politische Stabilität zu wahren und das Land im internationalen Wettbewerb zu stärken.