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Cloud oder Kontrolle – Public Cloud ERP auf dem Prüfstand

Die Public Cloud gilt als der konsequenteste Weg in die digitale Zukunft. Skalierbare IT-Infrastrukturen, schnelle Updates, minimale Wartungsaufwände – viele ERP-Anbieter präsentieren Cloud-ERP als alternativloses Erfolgsmodell. Doch ein genauerer Blick in die Praxis zeigt: Die Erwartungen an die Public Cloud sind hoch – und ebenso die Vorbehalte.

Cloud-Migration
© KanawatTH, istockphoto.com

Versprechen vs. Realität
In der Theorie klingt es verlockend: Statt komplexe IT-Landschaften selbst zu betreiben, mietet man Software als Dienstleistung. Die Verantwortung für Betrieb, Sicherheit und Aktualität liegt beim Anbieter. Neue Funktionen und technologische Innovationen, etwa im Bereich Künstlicher Intelligenz, stehen sofort zur Verfügung – ganz ohne manuelle Updates oder Release-Projekte.

Doch was auf PowerPoint-Folien überzeugend wirkt, stößt in der Realität vieler Unternehmen auf Skepsis. Denn mit der Verlagerung in die Cloud geht ein erhebliches Maß an Kontrolle verloren – über Daten, über Systemverhalten, über Kosten.

Public Cloud ERP in der Praxis: Was Unternehmen bremst

Die aktuelle Studie „ERP in der Praxis“ macht diese Skepsis greifbar: Zwar können sich 41 % der Unternehmen langfristig nicht mehr vorstellen, ihre ERP-Lösung On-Premise zu betreiben. Doch nur 11 % sehen für ihr ERP einen vollständigen Wechsel in die Public Cloud. Die Mehrheit kann sich für die Zukunft eher alternative Modelle wie hybride Szenarien oder die Private Cloud vorstellen.

Ein Blick auf die am häufigsten genannten Vorbehalte gegenüber der Public Cloud zeigt ein klares Bild: Die Mehrheit der Unternehmen sieht gravierende Nachteile in der Public Cloud – von laufenden Kosten bis hin zur fehlenden Kontrolle:

Laufende Kosten: Die Public Cloud wird häufig mit Kostenvorteilen beworben. Tatsächlich kritisieren viele Unternehmen die mangelnde Planbarkeit und die steigenden Subscription-Gebühren. Gerade bei größeren Installationen können sich die Gesamtkosten schnell summieren. Je länger die Laufzeit, desto deutlicher zeigt sich: Cloud-ERP kann langfristig teurer sein als erwartet – vor allem, da kein Eigentum an der Software erworben wird.

Geringe Einflussmöglichkeiten: In der Cloud geben Unternehmen die Kontrolle über Release-Zyklen und Systemverhalten ab. Updates kommen automatisch – auch dann, wenn sie betrieblich gerade ungelegen sind.

Abhängigkeit vom Anbieter: Der Wechsel in die Cloud führt zu einer engeren Bindung an den Softwarehersteller. Vertragsbedingungen, Datenhaltung und Leistungsumfang liegen weitgehend in dessen Händen. Besonders kritisch: Der sogenannte Lock-in-Effekt entsteht weniger durch Vertragslaufzeiten, sondern durch proprietäre Schnittstellen, regelmäßige Updates und den Aufwand bei einem Systemwechsel.

Intransparente Preisgestaltung: Viele Nutzer bemängeln unklare Preismodelle, schwer vergleichbare Funktionspakete und fehlende Kalkulationssicherheit.

Sicherheitsbedenken: Auch wenn Cloud-Anbieter hohe Standards versprechen, bleibt das Vertrauen in die externe Datenhaltung ein sensibles Thema – insbesondere in regulierten Branchen.

Auffällig: Alle zehn abgefragten Vorbehalte werden von jeweils mehr als einem Viertel der Unternehmen geteilt. Sie können also nicht als Randphänomen verstanden werden, sondern als deutliches Signal, dass die Public Cloud zwar Chancen bietet, aber auch echte Herausforderungen mit sich bringt.

Vorbehalte gegen Public Cloud
Vorbehalte gegenüber Public Cloud ERP mit hoher oder uneingeschränkter Zustimmung

Entscheidung mit Tragweite

Diese Einschätzungen zeigen, dass der Wechsel in die Public Cloud alles andere als ein Selbstläufer ist. Während Anbieter vor allem auf die Vorteile wie Innovationstempo, geringerem Wartungsaufwand und bessere Skalierbarkeit verweisen, wiegen für viele Unternehmen die Nachteile schwer – insbesondere dort, wo individuelle Prozesse, hohe Anforderungen an den Datenschutz oder langfristige Investitionssicherheit eine Rolle spielen. Die Entscheidung für ein ERP-Betriebsmodell ist daher keine rein technische, sondern eine strategische Abwägung.

Strategisch abwägen statt vorschnell wechseln

Für einige Unternehmen kann die Public Cloud durchaus die passende Lösung sein – etwa dann, wenn schlanke Prozesse, einheitliche Standards und geringe IT-Kapazitäten vorherrschen. In vielen anderen Fällen lohnt sich jedoch der Blick auf Alternativen: Hybride Modelle, bei denen zentrale ERP-Funktionen weiterhin On-Premise betrieben und um cloudbasierte Dienste ergänzt werden, oder Private-Cloud-Lösungen, die cloudtypische Vorteile wie Skalierbarkeit mit einem hohen Maß an Kontrolle und individueller Anpassbarkeit verbinden, bieten attraktive Alternativen – insbesondere für regulierte Branchen und gewachsene IT-Strukturen.

Fest steht: Die Frage „Cloud oder Kontrolle?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Wer heute über die Zukunft seiner ERP-Landschaft nachdenkt, sollte nicht nur den technologischen Reifegrad im Blick haben, sondern auch wirtschaftliche, rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen einbeziehen. Die Public Cloud kann ein sinnvoller Weg sein – aber sie ist nicht immer der beste.

→ Dies ist ein Auzug aus unserem Fachbeitrag: „ERP aus der Public Cloud – Fortschritt mit Nebenwirkungen?“. Sie finden den kompletten Beitrag zum kostenlosen Download auf unserer Website.


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