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Humanoide Roboter erobern die Fabrikhallen

Humanoide Roboter erobern die Industrie. Laut einer Studie der Managementberatung Horváth werden bis 2025 menschenähnliche Roboter in Serie produziert. Bis 2030 sollen Geschwindigkeit, Flexibilität und Feinmotorik die menschlichen Fähigkeiten übertreffen.

Quelle: ©Deutsche Messe

Generationswechsel: Bislang nutzt die Industrie vor allem Gelenkroboter zum Schweißen, Lackieren und in der Montage. Cobots, also kollaborative Roboter, kommen allenfalls in der Qualitätsinspektion zum Einsatz. Beide Typen ähneln einem menschlichen Arm. Humanoide Roboter gleichen dagegen in ihrer gesamten Statur dem Menschen und sind in etwa auch so groß und so schwer. Damit eignen sie sich besonders gut für die Arbeit in Umgebungen, die für Menschen konzipiert wurden. Erste Pilotprojekte in der Automobilindustrie laufen bereits. So testet Mercedes den Einsatz eines Modells des US-Herstellers Apptronik: Apollo ist ca. 1,73 Meter groß, wiegt 73 Kilogramm und kann 25 Kilogramm heben. Er soll in der Produktion Montagesätze an die Arbeiter liefern. „Es gibt viele Einsatzmöglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette in einer Fabrik“, berichtet Tobias Bock, Senior Project Manager bei Horváth und Leiter der Studie Humanoide Roboter in Operations. „Kollaborative Roboter können in der Produktion und in der Logistik besonders arbeitsintensive und physisch anspruchsvolle Aufgaben übernehmen.“

Die Kosten von Robotern sinken drastisch

Aktuell sind die Anschaffungskosten für menschenähnliche Roboter noch höher als für andere Industrieroboter. Horváth rechnet mit einem Preis von durchschnittlich 80.000 Euro. Hinzu kommen etwa 4.000 Euro Wartungskosten pro Jahr. Durch die Serienproduktion soll der durchschnittliche Beschaffungspreis bis 2030 auf 48.000 Euro sinken.
Die Experten von Horváth gehen davon aus, dass der Return on Invest pro Roboter je nach Anschaffungspreis anfänglich bei weniger als 1,4 Jahren liegen und sich durch die technische Entwicklung in den kommenden Jahren drastisch verringern wird. „Mittelfristig verfügbare humanoide Roboter haben das Potential, mehr als 50 Prozent der manuellen Tätigkeiten im Produktionsumfeld zu übernehmen“, erläutert Bock. „Die menschenähnlichen Roboter können hochqualifiziertes Personal am Fließband entlasten. Schon jetzt sollten Industrieunternehmen das Transformationspotenzial in ihrer Strategie berücksichtigen und mögliche Anwendungsfelder identifizieren.“

Roboterpark stand im Fokus der Hannover Messe

Auch auf der Hannover Messe standen klassische Industrieroboter und Cobots im Mittelpunkt. Im Application Park des Deutschen Robotik Verbands erlebten Messebesucher Neuentwicklungen rund um Bilderkennung, taktiles Greifen und autonome Bewegung. Junge Robotik-Unternehmen präsentierten die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Robotern sowie das Zusammenspiel zwischen Mensch, Maschine und Künstlicher Intelligenz. So zeigte das Karlsruher Start-up Artiminds Robotics eine Lösung zur Montage von Kabeln, die auf Künstlicher Intelligenz basiert. Zum Einsatz kommen Laserlinienscanner, 2D-Kameras und die Kraft-Moment-Messung. „In der Grundlagenforschung – zum Beispiel in der Feinmotorik – liegen deutsche Institute sehr weit vorne“, berichtet der Automatisierungsexperte Tobias Bock. „In der Anwendung hingegen dominieren Hersteller aus dem Silicon Valley und China. Dort ist man schneller unterwegs.“

„Aktuell sind wir in Sachen Robotik mitten in einem Hype“, berichtet Susanne Bieller, Generalsekretärin des Weltverbands für Robotik IFR dem Handelsblatt. „Gerade in den USA ist das Interesse an humanoiden Robotern bei Investoren und Anwendern groß.“ Trotz der großen Euphorie könne allerdings bis zur breiten Akzeptanz humanoider Roboter noch einige Zeit vergeben. Viele Industrieunternehmen würden bis dahin scharf kalkulieren, ob nicht ein traditioneller Gelenk-Roboter vielleicht ausreiche. Jürgen Frisch

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