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Künstliche Intelligenz hat einen schweren Angang

Jedes zweite größere Unternehmen betrachtet Künstliche Intelligenz als Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit. Bislang setzen aber nur 13 Prozent solche Anwendungen ein. Als Hindernisse gelten laut Bitkom Research und Tata Consultancy Kosten, Expertise und Datenschutz.

Künstliche Intelligenz wird vor allem in größeren Unternehmen in Deutschland als wichtig betrachtet. Jedes zweite Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern ist überzeugt, dass diese Technologie künftig ein Schlüssel für die eigene Wettbewerbsfähigkeit ist. 57 Prozent stehen der Technologie eher oder sehr aufgeschlossen gegenüber, lediglich 6 Prozent lehnen sie ab. Der Praxiseinsatz hinkt allerdings bislang hinterher: Gerade einmal 13 Prozent der Unternehmen setzen bereits intelligente Anwendungen ein. Weitere 15 Prozent planen die Nutzung, 18 Prozent diskutieren dies aktuell.

Die zitierten Ertgebnisse kommen aus einer Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des IT-Dienstleisters Tata Consultancy Services (TCS) im Mai/Juni 2020 unter 955 Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern in Deutschland. Die Forscher interviewten Führungskräfte, die in ihrem Unternehmen für das Thema Digitalisierung verantwortlich sind. Dazu zählen Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder ebenso wie Entscheider aus den Bereichen Digitale Technologien, Informationstechnik und Operatives Geschäft. Die Umfrage ist repräsentativ für die deutsche Gesamtwirtschaft ab 100 Mitarbeitern.

Trotz starker Forschung hinkt Deutschland in der Praxis hinterher

„Viele Unternehmen zögern den Einsatz neuer Technologien hinaus, sie stehen an der Seitenlinie und wagen sich nicht aufs Feld“, berichtet Kay Müller-Jones, Leiter Consulting und Services Integration bei TCS. „Eine derart defensive Strategie ist beim Thema Künstliche Intelligenz riskant, denn diese Technologie ist ein entscheidender Baustein für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.“ Auch Lukas Gentemann, Senior Research Consultant bei Bitkom Research, findet mahnende Worte: „Wir sollten eine breite Diskussion über die Chancen Künstlicher Intelligenz führen. Deutschland ist zwar in der dazugehörigen Forschung stark, aber es muss uns besser gelingen, das Potenzial dieser Technologie zu nutzen. Das gilt ganz besonders für den Mittelstand.“

Damit Mitarbeiter intelligente Anwendungen produktiv nutzen können, brauchen sie zielgerichtete Aus- und Weiterbildung. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (53 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass Kenntnisse in Künstlicher Intelligenz in zehn Jahren den gleichen Stellenwert haben wie heute Kenntnisse in Microsoft Office. Bei den Unternehmen, die sich bereits mit intelligenten Anwendungen beschäftigt haben und entsprechende Anwendungen einsetzen oder dies planen, liegt der Anteil mit 64 Prozent deutlich höher. Zwei Drittel (66 Prozent) sind zudem überzeugt, dass Künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag der Mitarbeiter erleichtern wird.

Wenig Expertise, hohe Investitionen und ein scharfer Datenschutz

Als größtes Hemmnis bei der Einführung intelligenter Lösungen beklagen laut Studie 60 Prozent der Unternehmen den hohe Investitionsbedarf. Mittelständische Unternehmen mit 100 bis 199 Mitarbeitern schrecken die Kosten besonders stark ab (65 Prozent). Als weitere Hemmnisse nennen die Verantwortlichen Anforderungen an die Datensicherheit und lange Entscheidungsprozesse (je 46 Prozent), Anforderungen an den Datenschutz und fehlende Anwendungsbeispiele (je 45 Prozent) sowie die Komplexität des Themas (44 Prozent) und den Mangel an eigener Expertise (39 Prozent). Lediglich eine untergeordnete Rolle spielen dagegen die fehlende Akzeptanz in der Belegschaft (26 Prozent) oder von Seiten der Kunden (16 Prozent).

Weitere Ergebnisse der Trendstudie „Deutschland lernt KI – Wie Unternehmen digitale Technologien einsetzen“ – etwa zum Stellenwert der Digitalisierung in den Unternehmen oder zum Einsatz von Schlüsseltechnologien sowie ausführlichen Branchenergebnissen für den Maschinen- und Anlagenbau, die Informations- und Kommunikationstechnologie, Chemie und Pharma, Banken und Versicherungen, den Automobilbau sowie den Handel – sind zum kostenfreien Download zur Verfügung gestellt. Jürgen Frisch

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