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Algorithmen werden Menschen niemals ersetzen

Dank lernender Algorithmen verhalten sich Maschinen so wie Menschen. Ihre scheinbare Intelligenz ist aber laut dem Innovationsexperten, Christoph Burkhardt, begrenzt: Algorithmen lösen Probleme – die Fragen dazu kann nur ein Mensch formulieren.

Quelle: peshkov | istockphoto.com

Disruption: Wir bewegen uns in rasantem Tempo auf den wohl größten Paradigmenwechsel der Menschheitsgeschichte zu. „Künstliche Intelligenz ist die umfassendste Transformation seit 10.000 Jahren“, erläutert der Innovationspsychologe Christoph Burkhardt, der seit vielen Jahren im Innovationshub Silicon Valley zuhause ist und mit seinen Kunden weltweit an der Anwendung neuer Technologien arbeitet. „Industrialisierung, Globalisierung, Vernetzung von Mensch und Maschine im Internet sowie die Nutzung von Daten als neue Währung, waren nur Vorboten dessen, was auf uns zukommt. Wir sind nicht länger die einzige Spezies auf unserer Welt, die schlussfolgert, lernt und vorhersagt.“

Der erste Nutzen der Datenanalysen im Business besteht darin, klassische Geschäftsmodelle anzureichern. Burkhardt verweist hier auf Supermärke, die mit Sensoren das Verhalten ihrer Kunden beobachten, um vorherzusagen, was als nächstes aus dem Regal entnommen wird. Ziel ist es hierbei, das Sortiment und dessen Präsentation zu optimieren.

Vom passenden Angebote zu individuellen Preisen

Einen Schritt weiter gehen datenbasierte Geschäftsmodelle. So erfasst zum Beispiel der Online-Filmverleih Netflix, welche Programme Kunden gerne ansehen, erstellt daraus Profile und schlägt auf dieser Basis weitere Angebote vor. Statt 150 Leute persönlich zu kennen, hat Netflix Daten über Millionen von Nutzern. Je mehr ein Algorithmus gelernt hat, desto präziser werden seine Vorhersagen. Auf Basis dieser Analysen passt das Unternehmen nicht nur sein Angebot an, sondern nutzt die Daten dazu, eigene Filme zu produzieren.

Der nächste Schritt in der Kombination aus Analyse und Schlussfolgerung besteht darin, nicht nur das Angebot, sondern auch die Preise für Waren und Dienstleistungen individuell anzupassen. So kann zum Beispiel der Preis für ein Hotelzimmer teurer ausfallen, wenn ein Kunde dies von einem iPhone aus bucht.

Die für Analysen und Prognosen notwendige Technologien, also Sensoren, hohe Rechenleistung und fortschrittliche Algorithmen sind heute kostengünstig und weit verbreitet. Die verstärkte Nutzung führt laut Burkhardt dazu, dass die Grenzen zwischen realer und künstlicher Welt zunehmend verschwimmen. Trotz Technologie-Enthusiasmus formuliert Burkhardt hier eine deutliche Warnung: „Wir sollten das Spiel nicht den Algorithmen überlassen, sondern kritisch hinterfragen, was diese Entwicklung für die Gesellschaft bedeutet.“

Die Fragen für Algorithmen kann nur der Mensch stellen

Algorithmen verarbeiten riesige Datenmengen und werden anhand ihres Trainings immer schlauer. Allmächtig sind sie laut Burkhardt aber keineswegs: „Analytics-Anwendungen können Probleme lösen, die man ihnen vorlegt. Für das Formulieren der richtigen Fragen ist aber stets ein Mensch zuständig. Das kann kein Algorithmus.“

Innovation ist laut Burkhardt immer Evolution, nie Revolution. Nötig sind stets die richtige Zeit und ein gut passender Kontext. Eine Innovation kann auch zu früh kommen und scheitern, wie das Beispiel der Datenbrille Google Glass zeigt, die zunächst kaum jemand haben wollte. „Nicht jeder Schritt nach vorne erweist sich als Fortschritt“, erläutert Burkhardt. „Viele Schritte werden scheitern. Aber man kann doch nicht darauf verzichten, denn ohne sie kann es keinen Fortschritt geben.“ Das Silicon Valley sei auch deshalb so innovativ, weil Start-Ups viele Schritte gehen, von denen niemand weiß, ob sie je funktionieren.

Vier Tipps sollen Innovationen fördern

Um auch diesseits des großen Teichs die Innovation zu befeuern, formuliert Burkhardt vier Tipps:

1. Wir sollten Lösungen außerhalb dessen denken, was wir als Standard verstehen. Überraschung ist immer gut.

2. Wir sollten außerhalb unserer gewohnten Kategorien denken. Gute Ideen kommen stets von außen.

3. Manchmal weiß ein Entwickler gar nicht, wofür eine Lösung außerhalb des ursprünglich gedachten Anwendungsfalls sonst noch gut ist.

4. Die Suche nach einer Lösung, die immer und überall funktioniert, ist eine Zeitverschwendung. Viel interessanter sind Lösungen, die jetzt funktionieren. Auch, wenn deren Lebenszeit begrenzt ist.

Wichtig ist laut Burkhardt ein gemeinsames Verständnis über die Rolle und die Reichweite von Technologie: „Es kann weder darum gehen, den Menschen abzuschaffen oder im Gegenteil die Technologie generell zu boykottieren. Viel sinnvoller ist es, die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine in den Fokus zu nehmen.“ Jürgen Frisch


Buchtipp

Sei kein Roboter. Sieben Überlebensstrategien im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

Christoph Burkhardt

Midas Management Verlag, St. Gallen – Zürich, ISBN 978-30387765121-7, 24,90 Euro

Der Autor

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